Ein Schiffs-BENTE-kauf ist kein Autokauf

Mein neues Schiff, eine BENTE24 hatte ich ja bereits letztes Jahr im Herbst gekauft. Nun schwimmt sie endlich – die neue „mind-storm“.

Einige Freunde und Familie hatten mich für verrückt erklärt – „wie kannst Du nur so ein Schiff kaufen, ganz neu, noch nicht erprobt, erst wenige gebaut“, usw. Trotz aller Bedenkenträger hatte ich mich doch dazu entschlossen, als einer der ersten mir eine BENTE24 zu bestellen – und eigentlich ist die Bestellnummer 26 für ein Segelboot ja auch nicht gerade die „Erste“. Ich glaube, bei BENTE konnten sie dann meinen Namen schon nicht mehr hören, denn teilweise bis zur letzten Sekunde habe ich die BENTE-Crew genervt. Nachdem ich nun seit fast 50 Jahren segle, ist mir immer wieder etwas Neues eingefallen oder die Zubehörliste gab plötzlich etwas Neues her. So gab es dann zum Glück ein Binnenrigg für mein eher windarmes Revier und ich konnte direkt mit dem Segelhersteller DOYLE OLEU meine Segel entsprechend konfigurieren. Spannend wurde es dann aber, da ich glücklicherweise meine BENTE früher bekam (sonst würde ich heute noch nicht segeln) und so wurde es doch noch eine sehr frühe Baunummer.

fertig-gepackt
Fertig zum Transport

Ich hatte mich dazu entschieden, mein Schiff selbst in Polen bei der Werft in Stettin abzuholen, schließlich bekommt man das nicht alle Tage zu sehen und ich hatte mich schon dafür interessiert, wie und wo mein Schiff so entsteht. Also, Genehmigung für die Überbreite geholt (das ging erstaunlich schnell und ist mittlerweile sogar online möglich) und los gehts von München in Richtung Polen. Die Truppe vor Ort war sehr nett, man merkte schnell, dass sie auch vom segeln Ahnung haben und nicht nur einfach irgendein Schiff vor sich hin bauen.

Heimat der BENTE's
Heimat der BENTE’s

Und jetzt kommt ein großer Unterschied zum Autobau – man merkt nun einmal auch, dass hier nicht hunderttausende gleiche Exemplare gebaut werden, sondern noch sehr stark auf individuelle Wünschen des Kunden eingegangen wird. Und wenn dann doch ein kleines Teil fehlt (was durchaus vorkommen kann), ist das auch nicht so tragisch, denn ein paar Tage später war alles vor Ort.

Bei-der-Werft
Angekommen – Bootswerft Gollenshausen

Das Schiff habe ich dann an seine künftige Heimat, den Chiemsee gebracht, wo meine Werft, die Bootswerft Gollenshausen noch die letzten Arbeiten (Unterwasserschiff streichen, Instrumente einbauen, etc.) durchgeführt hat. Bei den Instrumenten habe ich mich nun doch wieder für die kabellosen von Raymarine entschieden, ich hatte auf meiner Sprinta sehr gute Erfahrungen damit gemacht und ich hasse es, mein Schiff zu durchlöchern. Zeitlich eng wurde es dann mit dem neuen Motor. Ich habe mir ja unbedingt einen neuen Pod-Antrieb von Torqeedo eingebildet – der wird aber erst seit Anfang Mai gebaut. Zum Glück ist Torqeedo nur ein paar km von mir entfernt, bei Torqeedo gibt es noch sehr engagierte Kollegen und wir haben am Chiemsee mit Bootsmotors Forster einen Händler, der mir dann wirklich in letzter Minute den Motor eingebaut hat. 10 Minuten vorm  „ins Wasser lassen“ wurde auch noch der neue Faltpropeller geliefert- just in time.

 

warten
Warten …
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… bereit zum Aufregen …

Knapper Zeitplan – Montag Motor einbauen – Dienstag ins Wasser und Mittwoch kam bereits Christian von BENTE und wir haben nun gemeinsam bei 5 Grad und Regen das Schiff aufgeriggt. Das erste Binnenrigg war dann beeindruckend zu sehen – 11m Mast sind auf einem 7,5m Schiff doch ganz schön viel. Aber es ist auch genial, endlich einen Mast ohne Achterstag zu haben. Das hat auf der Sprinta beim Familiensegeln doch immer wieder genervt – Achterstag – Backstagen – ständig musste man irgendeine Strippe ziehen.

Was war ich während dem Aufbau froh, dass ein Profi dabei war, der die BENTE in- und auswendig kennt und dann doch noch den ein oder anderen Beschlag oder Klemme schnell mal installiert hat.

... endlich am Steg
… endlich am Steg

Da merkte man auf der einen Seite die frühe Baunummer, aber das sind aus meiner Sicht Kleinigkeiten und auf der anderen Seite hatten wir gemeinsam die Möglichkeit, die Teile genau dort zu platzieren, wo ich sie haben wollte.

Am Wochenende ging’s endlich richtig aufs Wasser – und das mit einem gewaltigen Wow-Effekt. Meine Sprinta Sport war ja bereits ein ausgereiftes, schönes und immer noch schnelles Boot – aber was mir die BENTE jetzt zeigt, ist ein moderner Bootsbau und Segelspass pur. Die für das Boot doch großen Segel von DOYLE standen von vornherein super (und das, nachdem mir North Sails ja keine Segel verkaufen wollte, Gott sei Dank), da musste ich gar nicht viel trimmen und jetzt kam die totale Überraschung. Die BENTE ist schnell, leicht zu segeln, unwahrscheinlich ausgetrimmt (ich hatte überhaupt keinen Ruderdruck) und Spass ohne Ende. Gewundert hat mich die Höhe, die das Schiff läuft, obwohl sie im ersten Blick nicht den Eindruck macht. Da habe ich von der ersten Sekunde an gespürt, dass mit Alexander Vrolijk und seinem Team Profis am Werk waren, das Schiff hat ein unwahrscheinliches Potenzial! Und nur so am Rande – der Pod-Antrieb (auch wenn ich den hoffentlich nicht so oft benötige) ist einfach klasse. Kein störender und hässlicher Aussenborder und Schub ohne Ende.

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Läuft …

Nach den ersten Segeltagen muss ich sagen, dass es vielleicht am Anfang ein gewisses Risiko war, so früh ein Schiff zu kaufen – aber ich habe es bis heute in keinster Weise bereut. Und wenn es bis jetzt wirklich einmal ein Problemchen gab, dann gibt es bei BENTE zum Glück noch Menschen, mit denen man direkt sprechen kann und die mit mir gemeinsam versuchen, diese Problemchen schnell und unkompliziert zu lösen. Und ich merke immer wieder: Alle sind vor allem Segler und keine reinen Verkäufer oder unpersönlichen Geschäftsleute – hier ist man nicht nur Kunde sondern auch Gesprächspartner auf gleicher Augenhöhe! Und ich glaube, das macht den Unterschied zum Autokauf aus – es ist sicher nicht alles so perfekt, wie bei einer robotergestützten Fertigung, aber es sind Kleinigkeiten und die Grundstruktur stimmt, sowohl beim Schiff als auch bei den Menschen!

laeuft
… und läuft

 

Für die Interessierten – genaue Infos zu meiner BENTE gibt es hier

Und ansonsten für Fragen einfach melden skipper@mind-storm.de

 

19 Antworten auf „Ein Schiffs-BENTE-kauf ist kein Autokauf“

  1. klasse zeilen hast du da formuliert und wir freun uns, wenn dir deine BENTE gefällt & spass macht – denn genauso solls sein !!! macht so derbe lust auf einen schlag über den see mit deiner monster besegelung ;o) bis bald und
    servuz & ahoi sachta
    christian

  2. Hallo Sportsfreund,

    heute ist mein letzter Tag…dann geht es ab an die Schlei…Bente für 10 Tage gemietet. Diesen Mut, hatte ich leider nicht, gleich ein Boot zu bestellen.
    Was mich aber Interessiert, Du hast ein Binnenrigg bestellt…aber soviel Unterschied zum normalen
    sind es doch nicht…..man müsste mal 2 Boote gegeneinander segeln lassen. Egal, Du hast Dir ja was dabei gedacht!
    Hast Du eigentlich auch mehr Blei im Kiel?

    Ich wünsche Dir viel Spass

    LG aus Berlin

    Andreas

    1. Hallo Andreas,

      na, dann viel Spass mit der BENTE, das Boot segelt wirklich klasse.

      Das Binnenrigg bringt schon einiges, ich habe ja statt 21 qm Gross immerhin 31,5 qm und statt 12,5 qm Fock 14,5 qm. Und die merkt man auf dem Schiff schon.

      Ja, im Kiel ist auch mehr Blei, da ich leider nur den Standardkiel fahren kann – bei uns komme ich mit dem Performance-Kiel leider nicht in den Hafen.

      Aber mal sehen, so weit ich weiss, kommt bald eine zweite BENTE an den Chiemsee, die das normale Rigg hat – schaun mer mal 😉

      Viele Grüße und viel Spass auf der Schlei, Du kannst ja gerne mal berichten, wie deine Erfahrungen waren.

      Thomas

  3. Moin Thomas,

    ich freu mich sehr, dass Du mit dem Boot soviel Spaß hast.
    Auch wenn hier und da grad zu Anfang mal was fehlte oder nicht passte. Die Vorfreude und das Herzblut haben sich nun gelohnt. Ich wünsche Dir eine fantastische erste Saison an Bord und komme Dich mal besuchen.
    Gruß aus Berlin, Stephan

    1. Lieber Stephan,

      danke dir, wir hatten ja immer ein gemeinsames Ziel und das war das Gute daran.

      Du bist immer willkommen auf ein paar Segelstunden mit der „Binnen-BENTE“ oder auch das ein oder andere bayerische Bier. Aber denk daran, dich frühzeitig zu melden, damit ich dir dann auch rechtzeitig ein Visum für Bayern besorgen kann 😉

      Viele Grüße aus München

      Thomas

  4. Hallo Thomas,
    Durch Stephans Buch „Hamburg Digger“ bin ich über Umwege und Facebook auf die Bente 24 aufmerksam geworden. Ein tolles Boot. herzlichen Glückwunsch zum Kauf. Sollte mein Jungarztgehalt in ein paar Jahren ein Budget für eine Bente bieten, werde ich mit eben diesem Boot liebäugeln. Bis dahin heißt es entweder mitsegeln oder chartern. Also, falls du einmal ein Crewmitglied für einen Tag oder auch ein Wochenende suchst, stehe ich sofort bereit um die Bente zu segeln. In den kommenden Monaten wohne ich sogar in der Nähe 😉

    Immer eine Handbreit und vielleicht bis bald.

    1. Hallo Matthias,

      na, die BENTE liegt ja zum Glück in einem Preisniveau, das bezahlbar ist – vor allem, wenn man andere Schiffe dieser Größenordnung sieht. Und das Ganze, ohne an Performance zu verlieren!

      Melde dich doch mal direkt bei mir, sicher können wir mal einen Trip auf dem Chiemsee organisieren …

      Viele Grüße aus München

  5. Moin aus Hamburg,
    toller Bericht und Glückwunsch zum Boot.
    Und schön ist, dass man sich das Boot entsprechend konfigurieren kann.
    Viel Freude damit und immer eine Handbreit Wasser und dem (Hub-) Kiel 🙂
    Viele Grüße
    Lars

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