BENTE 24 – läuft …

Jetzt liegt sie schon einige Wochen im Wasser und ich konnte die ersten Erfahrungen mit meiner BENTE24 machen. Hier nun ein erster Bericht.

Die genaue Ausstattung meiner Bente „mind-storm“ findet ihr ja hier auf der Website, mit das wichtigste und sofort offensichtlichste ist sicherlich das Binnenrigg mit den fast schwarzen Pentex-Segeln, aus denen Doyle so Sprinta Sportziemlich das Maximum rausgeholt hat. Vor der Bente hatte ich ja eine Sprinta Sport – und seglerisch hatte ich die Sprinta immer noch gerne gesegelt. Sie hält viel aus (auch viel Wind!), hatte unwahrscheinlich viel Trimmmöglichkeiten und ist einfach ein ausgereiftes Schiff. Auch hing mein Herz an ihr, schließlich bin ich in den 80er Jahren sehr aktiv und erfolgreich mit der Sprinta Regatten gesegelt. Und rein qualitativ war sie nun einmal ein Dehler-Bau aus dem Sauerland. Da waren nach mehr als 30 Jahren noch viele Original Teile, wie zum Beispiel die Blöcke voll funktionsfähig. Aber zwei Dinge haben mich auf Dauer gestört: Zum einen genau die vielen Trimmmöglichkeiten mit Backstagen etc. Und der „alte“ Riss mit großer Genua, Spinnaker und schmalem Cockpit. Ich segle nunmal keine Regatten mehr sondern bin mit Familie unterwegs. Gleichzeitig wollte ich aber trotzdem ein Boot, das schnell segeln kann und so wurde es die BENTE – aus meiner Sicht die richtige Mischung aus Spaß und trotzdem „Bequemlichkeit“.

Ich hatte die BENTE gekauft, ohne sie vorher gesegelt zu sein, da hatte ich viel Vertrauen in den Namen Vrolijk und so war ich natürlich gespannt, ob das Vertrauen berechtigt war. Beim ersten Ablegen ging’s schon los, endlich kein Aussenborder mehr, einfach Gas geben und fertig. Und da gab es die erste Überraschung – ich muss rückwärts aus der Box und der Radeffekt der Schraube ist schon stark spürbar. Ich kenne das ja aus vielen anderen Schiffen, aber hier war es schon extrem. Kein Problem, wenn man es weiß und darauf vorbereitet ist, aber dieser kleine Elektromotor entwickelt schon einen gewaltigen Schub. Die zweite Überraschung war das Ruder – dadurch, dass es sehr schmal ist, braucht es eine gewisse Geschwindigkeit, um zu reagieren, auch daran musste ich mich erst gewöhnen.

Die nächsten Überraschungen gab es dann beim Segeln. Ok, das Grosssegel ist etwas größer und braucht mehr Kraft zum setzen, aber das geht gut – das macht sogar mein 11-jähriger Sohn. grossUnd Hurra, die Fock – einfach ausrollen und fertig. Keine Backstagen mehr setzen, einfach lossegeln. So hatte ich mir das vorgestellt. Und jetzt die für mich größte Überraschung – trotz des schmalen Ruders (das ja auch mal in einem Test bemängelt wurde) reagiert sie schnell und agil. Das Grosssegel steht von Anfang an perfekt, an der Fock musste ich etwas arbeiten, um den idealen Holepunkt zu finden. Aber auch sie steht jetzt aus meiner Sicht perfekt. Gewöhnungsbedürftig ist die Grossschot am Baum. Sitzt man in Luv – kein Problem. Da ich aber gerade bei wenig Wind gerne in Lee sitze, zieht man praktisch in die falsche Richtung (man zieht den Baum an Lee, obwohl er nach Luv soll). Bei wenig Wind kein Problem, bei mehr Wind ist das schwierig, aber da sitzt man ja sowieso in Luv. Ein Fehlkauf war der kleine Traveller zwischen den Sitzbänken, den habe ich dann schnell gegen den „großen“ quer über’s Cockpit getauscht – der alte hatte zu wenig Wirkung. Einfach einfach sind jetzt endlich die Manöver, für die Wende braucht man auf Grund der kleinen Fock im Prinzip keine Winsch. Also Wende fahren, Fock kurz rüber, Traveller neu einstellen – fertig. Das einzig Lãstige ist noch die durchgehende Latte ziemlich weit oben, die will bei wenig Wind nicht immer und braucht manchmal etwas Nachhilfe. Das ist fast so, wie auf meinem früheren Hobie Cat. Aber was war das alles immer für ein Thema auf der Sprinta …
lauft-2Doch jetzt zu den Segeleigenschaften. Hier wurden meine Erwartungen nicht erfüllt, sie wurden bei weitem übererfüllt! Ich habe in meinem Leben schon viele Schiffe gesegelt, aber noch keins, das so gut im Ruder liegt. Kein Ruderdruck, wirklich mit zwei Fingern zu segeln und sehr leicht und schnell. Das ein Schiff in der Größe schnell mal 9 Knoten segelt und das bei 2-3 Bft war dann schon cool. Überraschend war für mich auch, welche Höhe ich trotz des breiten Rumpfes segeln konnte. Das war mehr, als meine Sprinta schaffte.

Nächster Test war dann der Gennaker, der mit 67 qm nicht gerade klein für das Schiff ist. Da hatten wir schon unsere „Probleme“, so viel Tuch zu setzen und zu bergen, da der Platz am Schiff nunmal begrenzt ist. Nach den ersten Versuchen habe ich uns dann auch hierfür einen Furler von Bartels gegönnt – eine der besten Erfindungen der letzten Jahre beim segeln. Mittlerweile setzen wir den aufgerollten Gennaker bereits im Hafen und los geht’s. Ruck Zuck gesetzt und geborgen, einfacher geht’s wirklich nicht. Und jetzt zieht die BENTE richtig an. Zum normalen Segeln lasse ich ihn auch aufgerollt stehen, beim Regatta segeln kommt er sicherlich immer weg, man merkt schon die veränderte Anströmung an der Fock, wenn der aufgerollte Gennaker davor steht.

Was werde ich noch ändern? Viel wird das nicht sein, vielleicht noch eine Cunningham für’s Grosssegel, mehr fällt mir momentan nicht ein.

Was war die größte Veränderung? Zum einen die Grossschotfūhrung, aber mittlerweile liebe ich sie, zum anderen die Steuerung. Das Ruder braucht Geschwindigkeit und querstellen und auf dem Teller drehen, ging mit der Sprinta leichter, aber wann braucht man das wirklich. Und das Vibrieren ab 6 Knoten, das hat mich am Anfang etwas irritiert, mittlerweile weiß ich aber, dass das normal ist.

faltpropWas sind die „must have“ für mich? Das Binnenrigg ist für mein Revier genau richtig und wäre für mich weiterhin ein absolutes Muss, ebenso wie der Pod-Antrieb von Torqeedo. Natürlich würde ich nicht mehr auf die beiden Endlos-Furler von Bartels verzichten.

Nun, was ist bis jetzt mein Fazit? Das Vertrauen in das Design von Alexander Vrolijk war absolut gerechtfertigt, ein Schiff, das leicht zu segeln ist und trotzdem unwahrscheinlich Spaß macht und viel Potenzial hat. Die Bedienung ist einfach, leichtgängig und funktional. Und an die Führung der Grossschot habe ich mich mittlerweile komplett gewöhnt.

23 Antworten auf „BENTE 24 – läuft …“

  1. Vibrieren ab 6 kn ist die Hinterkante des Kiels oder des Ruders. Zwei Möglichkeiten zur abhilfe:
    1. Beide Kanten komplett zuspitzen, also richtig spitz. Geht meist nur mit ein bisschen Kohlefaser.
    2. Hinterkanten schräg anschleifen. Geht meist ohne weitere Verstärkung.

    Das Vibrieren haben die meisten Serienboote, weil die Kielflossen und Ruder nicht perfekt sind. Sind die Hinterkanten rund kommt es zur instabilen Wirbelablösung und damit zum Vibrieren. Ziel muss es dann sein einen klar definierten Ablösepunkt zu schaffen.

    //Fabian

    1. Hi Fabian,

      Du scheinst dich aus zu kennen! Ich habe das Thema gerade nochmal bei uns im Büro angesprochen und wir stimmen dir zu das man es optimieren kann. Vorschlag 1 ist was wir bei vielen unsere „teureren“ Boote machen, Option 2, im 30 Grad Winkel, kann Abhilfe schaffen / die Vibrationen minimieren, garantiert ist es nicht. Ich würde vorschlagen das man es ausprobiert falls es einen Stört und uns berichtet was passiert.

      A.Vrolijk

      1. Naja, 5 Jahre Studium und 7 Jahre arbeit als Hydrodynamiker… Und selbst Segler den sowas nervt.
        Hab meinen Vierteltonner so komplett vibrationsfrei bekommen. Ist übrigends auch gut für den Widerstand, wenn auch minimal.

        Aber gut, dass wir uns einig sind.

        //Fabian

    2. Hallo Fabian,
      hallo Alex,

      danke für eure Hinweise. Nur dass es nicht falsch rüberkommt – das Vibrieren ist minimal und man spürt es wirklich nur am Ruder, es ist jetzt nicht so, dass das ganze Schiff vibriert oder es störend ist. Und auf der Sprinta war ich ja schon froh, wenn ich bei unseren Windverhältnissen überhaupt mal 6ktn gesegelt bin. Also alles ein Luxusproblem, ich werde es aber mal im Winter versuchen …

      Thomas

  2. Wenn es nicht zu aufdringlich direkt ist, würde mich und sicher andere auch interessieren, was Dein Boot gekostet hat. Insbesondere bei dem Preis für die Segel tappt man völlig im dunklen, da es ja nicht serienmäßig zu kaufen ist.
    Ich schrieb es schon einmal, tolles Boot, ich gönne es Dir von Herzen.

    1. Hallo Sprachlos ;-),

      freut mich, dass dir meine BENTE gefällt – macht immer wieder Spass, die Kiste zu segeln.

      Nun, was die Kosten betrifft – ja, meine BENTE hat sicherlich mehr als den Grundpreis gekostet, da ist ja auch innen noch einiges dazu gekommen (Polster, Licht, Strom, usw.). Dann noch Hänger und ich lasse mir auch gerade noch eine Komplettpersenning für das Schiff machen. Eigentlich findet man alles auf der Preisliste, die Segel waren ein Individual-Angebot von Doyle. Bei den Segeln wollte ich keinen Kompromiss eingehen, das Pentex PE 10/15 war mir aber dann doch zu teuer, da hatte ich den letzten Nutzen für mich nicht mehr gesehen. Ich hatte jahrelang auf meiner Sprinta NorthSails, aber die wollten mir nichts verkaufen – zum Glück. Denn zum einen sind die Doyle-Segel wirklich klasse und die Abwicklung war absolut einfach und genial. Wenn dich das interessiert, wird dir sicherlich Doyle ein Angebot machen oder du schreibst mir mal direkt.

      Ob man wirklich alles so braucht, kann man sicherlich diskutieren. Aber ich wollte mein neues Schiff nunmal genau so und die Jungs von BENTE hatten immer gute Ansätze, wie man meine Ideen umsetzt (und es waren nicht immer die teuersten sondern in der Regel die vernünftigsten Lösungen).

  3. Hallo Thomas,

    klingt echt super was du berichtest – ich war gestern am Chiemsee und bin die Classic Regatta mitgesegelt – hab geschaut ob die mind-storm unterwegs ist – aber es war eh kaum Wind, wir sind schier verzweifelt 🙂

    VG Achim

    1. Hallo Achim,

      danke. mind-storm lag gestern im Hafen in Gollenshausen, wir hatten leider familiäre Verpflichtungen. Aber heute wurde sie wieder ausgelüftet 😉

          1. Servus Thomas,

            Schade, der LYCC freut sich über jeden Teilnehmer.
            Bin auf der Spucht III mit Frank Enzmann unterwegs – ein super restaurierter Oldtimer von 1928 – natürlich nichts im Vergleich mit der René (Libera) mit der wir früher gesegelt sind – ABER ein sehr schönes Schiff

            VG Achim

  4. Hallo

    Zwei Fragen zu deinenen Blogs, die ich fast nicht glauben kann. Falls wahr werde ich meine Skippi 750 sofort verkaufen 😉

    1.) Meintest Du wirklich 9 Knoten SOG bei 2-3 Bft; das wäre quasi gleiten schneller als der Wind? Auf welchem Kurs mit welchem Vorsegel wäre das?
    2.) Du schreibst in einem anderen Blog, dass du unter Genakker bis 60 Grad hoch kommst. Ist das zur wahren Windrichtung? Auch das würde mich sehr positiv überraschen, um nicht zu sagen wundern… Für das brauch ich meinen dedizierten Code Zero 😉

    Viele Grüsse
    Volkmar

  5. Hallo Volkmar,

    naja, 3 Bft sind ja bis 10 ktn Wind und das sind die Werte laut GPS. Das war unter Fock und Gross mit raumen Wind (da war mein Gennaker noch nicht bereit). Ich bin selbst überrascht, wie die Kiste anspringt und läuft. Bedenke aber auch, dass ich ein spezielles Binnenrigg habe und ein paar mehr qm als die Skippi (zumindest meines Wissens).

    Die Angabe zum Gennaker ist zum scheinbaren Wind laut Instrument. Das ist aber wirklich die Grenze und nicht unbedingt optimal. Du merkst schon, wie er sich bei 80 / 90 Grad wesentlich „wohler“ fühlt.

    Viele Grüße
    Thomas

    1. Hallo nochmals

      Ja das mit den 9 Knoten ist recht beeindruckend. Für das brauch ich Genakker und mindestens 15 kn Wind…

      Schönen. Abend
      Volkmar

    1. Ich hab mir mal die Skippi angeschaut (kenne sie nicht im Detail) – selbst die Performance hat ja doch etwas weniger Segelfläche gegenüber meiner BENTE und sie ist ja auch schon mind. 10 Jahre alt (wenn ich das richtig gesehen habe). Ich glaube, da hat sich einfach in der Zeit auch schon wieder einiges getan …

      1. Ja das ist sicher so und ich habe noch einiges an Gewicht an Bord (u.a. 150 kg AGM Akkus für Elektromotor) plus rund 1800 kg Leergewicht. Aber bei 15 kn wahren Wind kann ich das durchaus glauben, 7.8 gemäss GPS habe ich auch schon geschafft unter Fock undbei >= 15 kn Raumschots.
        P.S. Habe die PC Ausführung und werde die AGM Akkus über kurz oder lang durch die Li Ionen Akkus von Torqueedo ersetzen…

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