Eigentlich mag ich ja keine Messen …

Es ist kaum zu glauben – aber ich segle nun schon seit fast 50 Jahren und war noch nie auf der boot in Düsseldorf – warum auch? Doch dieses Jahr ist alles anders und nachdem ja bald ein neues Schiff kommt, wollte ich mich mal wieder umschauen, was es so Neues im Zubehörmarkt gibt. Aber wirklich Neues?

Ok, ich kenne als Bayer natürlich die interboot in Friedrichshafen fast in- und auswendig, aber von der boot (angeblich die größte Wassersportmesse der Welt) erwartet man schon Aussergewöhnliches – und Aussergewöhnliches habe ich teilweise erlebt. Wie es sich gehört, habe ich mich vorher informiert und wusste schnell, dass mich eigentlich vor allem 4 – 5 Hallen interessieren, denn ich schaue mir weder Motorboote an noch die neuesten Surfbretter. Und um nicht in den Stress des Wochenendes zu kommen, bin ich extra unter der Woche nach Düsseldorf, in der Hoffnung, dass es ruhiger ist und alle Zeit und Lust haben, mich zu beraten. So ging es als Erstes zu den Zubehörhallen.

Und bei der Suche nach Instrumenten für das neue Boot ging’s schon los. Nachdem ich die wichtigsten 4 – 5 Hersteller gesehen habe, musste ich feststellen, dass es das, was ich will, noch gar nicht gibt. Am liebsten wäre mir ein System, das wireless funktioniert, die Daten sowohl an die Instrumente als auch über WLAN oder Bluetooth an mobile Geräte sendet und leicht zu bedienen ist. Kein Anbieter bietet das an, entweder kein WLAN oder Bluetooth oder kein wireless zwischen den Geräten oder zur Bedienung muss man ein Studium absolvieren. Was ich aber bisher nicht kannte, war teilweise das Auftreten der Standmitarbeiter. Die einen stehen zusammen und unterhalten sich – „Entschuldigung, ich bin eventuell ein potenzieller Kunde, hätten Sie Zeit für mich?“. Diesen Satz musste ich teilweise öfters sagen, bis sich die Herren von Ihrem Gespräch über die Feier am Vorabend gelöst haben. Dann wird im Gespräch der Wettbewerb erst einmal so richtig schlecht gemacht („das ist doch alter Mist“) und am Schluss sagt mir der Verkäufer hinter vorgehaltener Hand, dass er mir auch bessere Geräte als die am Stand verkaufen kann. Cool – wieso steht er dann am Stand dieser Firma?

Weiter ging’s beim Thema Furler. Ich hatte eigentlich ein bestimmtes Produkt im Kopf und wollte das mal live sehen und nach einem Händler in Deutschland fragen. Zuerst musste ich wieder mal zwei Mitarbeiter vom Email-schreiben trennen und dann sprach die Dame kaum Deutsch. Nachdem wir uns irgendwie verständigt hatten, übergab sie mich an einen Kollegen, da sie sich nicht auskennt – und er sprach noch weniger Deutsch. Ich hatte ihn dann nach einem konkreten Produkt aus seinem Haus gefragt, da meinte er nur in seinem französisch, dass das für mein kleines Boot viel zu gross ist, sie normalerweise nur an große Yachten liefern und im Katalog steht sowieso nur Mist (ok, da steht drin, für Schiffe ab 6m, mein neues hat immerhin 7,55m). Ausserdem funktioniert das Ganze gar nicht und ich soll doch etwas anderes nehmen. Und wenn ich Preise will, soll ich ihm doch eine eMail schreiben, dann schickt er mir ein Angebot. Danke, das war’s – zum Glück gibt es noch viele andere Hersteller.

Und davon auch viele sehr gute, freundliche, zuvorkommende Mitarbeiter, die sich Zeit nehmen und auch nur über ihr Produkt sprechen. Es gibt also doch noch die Ausnahmen (die eigentlich der Standard sein sollten). Für mich ist jetzt klar, ich bin nur ein einzelner Kunde mit einem kleinen Schiff, da bin ich für viele einfach nicht interessant. Warum gehe ich auch auf eine Messe?

Nach vielen Auf und Ab’s weiss ich jetzt aber zum Glück doch was ich will und die Messe hat meine Meinung bei einigen Produkten geändert – aber nicht auf Grund unterschiedlicher Funkionen oder Preise, nein auf Grund von unmöglichen oder wirklich angenehmen Repräsentanten an den Ständen. Und da wird man zum Beispiel bei Torqeedo sehr gut empfangen (das war bisher auch der einzige Aussenborder, der zu mir kompatibel war), da machen die Stände von Seldén, Bartels oder Doyle-Segel Spass und zum Schluss natürlich wieder der Stand von BENTE. Das war wieder das Highlight des Tages. Eingepfercht von den großen Yachtherstellern dieser Welt und etwas in die Ecke der Halle gedrängt, ist doch das ganze Ambiente ein anderes. An den Ständen der „Großen“ stehen Hostessen, die entscheiden, ob man überhaupt zu den Auserwählten gehört um durchgelassen zu werden und die Stimmung ist auch entsprechend. Schlimmer als ein Meeting der Top-Berater und Investment-Banker, sowohl optisch als auch gefühlt. Die gehen zum Lachen sicher alle unter die Bilge. Und bei BENTE? Da ist richtig was los, viele Menschen, alle sehr interessiert und jeder darf kommen. Da sind die Entwickler des Bootes am Stand und diskutieren mit jedem Ihre Ideen und man fühlt sich fast wie auf einem Klassentreffen. Und nebenher wird auch noch Business gemacht. Da unterhält man sich über den Spass beim Segeln, wie das einer breiteren Schicht zugänglich gemacht werden kann und wie man der Jugend das segeln weiterhin schmackhaft macht. Nichts Elitäres, aber viel Spass am segeln gepaart mit Leidenschaft für innovative Lösungen.

Gott sei Dank geht es auch anders! Und somit hat sich die Messe am Ende doch noch gelohnt. Meine Meinung zu Messen allgemein hat sich aber nicht wirklich geändert …

10 Antworten auf „Eigentlich mag ich ja keine Messen …“

  1. Schön geschrieben, Thomas! Da sprichst du vielen Messebesuchern aus der Seele. Wobei sich das nicht nur auf Bootsmessen beschränkt.
    Zu deinen Instrumenten: ich habe folgende Lösung. Die analogen Signale der vorhandenen Paddel und Tiefengeber werden mittels Actisense DST-2-150 (die letzte Zahl gibt die Frequenz für den Tiefengeber an) in NMEA0183 Signale umgewandelt, welche in den Router von vyacht gespeist werden. Dieser dient gleichzeitig als Multiplexer und bekommt auch die NMEA0183 Signale vom AIS und einer drahtlosen Windeinheit. Angezeigt wird mit Tablet oder Smartphone, Apps gibt’s diverse. Z.B. von nke, einfach mal NMEA in die Appsuche eingeben. Das ganze kostet keine 300€ und ist auch keine Rocketsience…viel Spaß👍

    1. Sehr gerne doch, ist ja auch die Wahrheit.

      Es hat schon einen Grund, warum ich bei Euch mein neues Schiff gekauft habe. Der persönliche Umgang spielt halt auch eine Rolle. Übrigens hole ich am Samstag nun meine neue „mind-storm“ ab. Freue mich schon !!!

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